Vom Bagger aus dem Schlaf gerissen: Gudensberger Anwohner klagen über nächtliche Abbrucharbeiten in der Innenstadt

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Walter Fleddermann zeigt auf das Gestänge, das der Bagger versucht haben soll, aus der Wand zu ziehen. Fotos: Schesswendter

Gudensberg. „Unsere Nerven liegen total blank“, gibt die Gudensbergerin Gabriele Fleddermann zu Protokoll. Sie hat einige Tage Baumartyrium hinter sich, sie wohnt schließlich genau angrenzend zum ehemaligen Bäckerei-Brede-Gebäude in der Innenstadt.

Ihre Geschichte beginnt am Donnerstag der Vorwoche, als eine Baufirma Stahlstreben am Haus abzieht, in dem die Fleddermanns wohnen. „Hier fing alles an zu vibrieren,“ beschreibt Gabriele Fleddermann ihren Eindruck. Ihr Pech: sie hatte frei und war ausnahmweise am Nachmittag zu Hause. Doch damit nicht genug: Ehemann Walter leidet an einer psychischen Störung. Er ist lärmempfindlich und stressanfällig.

Gabriele Fleddermanns Hände zittern noch immer.

Der Polier der beauftragten Firma Schnittger Erdbau, Arne Lengemann kennt die Stelle. „Die Hälfte von dem Dach konnte man abpflücken, der Rest muss abgeflext werden.“ Mit „Abpflücken“ meint der Mann, der den Abriss leitet, dass der Bagger mit einer Zange die Stahlträger aus der Wand zieht. „Das was locker war,“ ergänzt Lengemann.

Gabriele Fleddermann stellt den Umstand anders dar. Ihr Mann sei runter gerannt, um die Bauarbeiter darüber zu infomieren, dass die Träger am Haus befestigt seien und hier auch Leute wohnen. Erst daraufhin habe der Bagger abgelassen, erzählt das Paar.

Am darauffolgenden Dienstag, dem 24. Januar, macht die Information die Runde, es soll die Nacht über abgerissen werden.

Anwohner erzürnt über mangelnde Information

Aufgrund der Erkrankung ihres Mannes ist Gabriele Fleddermann alarmiert. Sie telefoniert herum, bekommt widersprüchliche Aussagen. „Beim Homberger Bauamt, das für uns zuständig ist, wusste niemand etwas. Bei der Stadtverwaltung hat man mich an das Regierungspräsidium verwiesen. Erst die Polizei Fritzlar hat mir bestätigt, dass die Stadt angerufen habe und man in der Nacht das Gebäude abreißen wird,“ sagt die Anwohnerin. Nachbarin Marion Mill aus der Untergasse bestätigt: „Ich hab es auch nur durch Zufall erfahren. Eine schriftliche Benachrichtigung hat hier niemand bekommen.“

Normalerweise werden Aushänge und Flyer verteilt, bestätigt Firmenchef Heinz Schnittger. Doch bei dem nächtlichen Vorhaben beschränkt sich Polier Lengemann darauf, persönlich von  Haus zu Haus zu gehen. Für Flyer und Co. sei keine Zeit mehr gewesen, so der Polier. „Ich habe die Genehmigung erst am Montag erhalten,“ erklärt er.

„Die meisten waren nicht zu Hause, als ich am Montag kurz vor Feierabend rumgegangen bin“, gibt Lengemann zu. Am Dienstag sei er kurz vor Beginn der Arbeiten nochmal rumgegangen. Gabriele Fleddermann hat bis dahin schon am Abend die Sitzung des Bauausschusses gestört.

Bürgermeister Frank Börner habe ihr dort eine Hotelübernachtung angeboten. Sie lehnt ab: „Da war’s schon zu spät, ich konnte einfach nicht mehr.“ Sie betont, dass ihre Aufregung nichts mit der Maßnahme als solche zu tun habe. Auch ihre Kündigung habe damit nichts zu tun (sie wohnt ebenfalls in einem alten Brede-Gebäude).
„Das hätte doch vorher abgeklärt werden müssen. Es kommt darauf an, wie es gemacht wird. So konnte man sich gar nicht darauf einstellen,“ sind sich Fleddermann und Mill einig.

Horrornacht mit zitternden Wänden

Die Abrissnacht war entsprechend der psychischen Verfassung des Ehepaars grauenhaft. Gabriele fühlt sich terrorisiert: „Ich habe das Gefühl, dass die wollen, dass wir hier vor November (dem Kündigungstermin) rausgehen.“

Auch Mill beklagt den nächtlichen Lärm: „Mein ganzes Bett hat gewackelt. Als die Seitenwände gefallen sind, saß ich kerzengerade im Bett.“ Die Anwohner wünschen sich, dass man frühzeitig über eine solche gravierende Bauarbeit informiert wird – zuverlässig.

Kurzfristig hat sich Bürgermeister Frank Börner in einem Schreiben bei den Eheleuten entschuldigt und Gespräche angeboten.

„Vorher wäre besser gewesen“, sind sich die Anwohner einig.

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Über Raimund Schesswendter

Redakteur | MB-Media GmbH & Co. KG

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4 Kommentare

  1. „Beim Homberger Bauamt, das für uns zuständig ist, wusste niemand etwas. ”
    Die wissen selten etwas. Und sind so was von aktiv.
    ( Asbest, Skaterbahn, Solaranlagen usw in Homberg; Bauverstöße bei Seniorenwohnanlage in Melsungen Teichwiesen)

    Bei der Stadtverwaltung hat man mich an das Regierungspräsidium verwiesen.
    Komisch denn dann sagt die Polizei, dass die Stadt angerufen habe!

    “Erst die Polizei Fritzlar hat mir bestätigt, dass die Stadt angerufen habe und man in der Nacht das Gebäude abreißen wird,“

    Und die Entschuldigung des Bürgermeisters ?
    Kannst de in de Tonne kloppen.
    Der hat ruhig geschlafen.

    Antworten
    • Man sollte sich vorstellen, dass mitten in Gudensberg, in zentraler Lage seit 8 Jahren ein Altbau vor sich hingammelt. Ein echter SCHANDFLECK für die ganze Stadt.
      Dann passiert e n d l i c h etwas, der Schandfleck soll endlich verschwinden.
      Die Firma bemüht sich, im Interesse aller das Gebäude so gefahrlos wie möglich nachts zu beseitigen. Das kann natürlich nicht geräuschlos funktionieren.
      Also eine Nacht Krach, das ist dann die absolute Sensation hier in der Provinz und für 2-3 Leute wohl unerträglich ! (???)
      Denkt lieber daran, dass an dieser Stelle ein schönes Haus entsteht, welches in zentraler Lage Wohnmöglichkeiten bietet, das Stadtbild aufwertet und die Innenstadt absolut aufwertet.
      Ich versteh weder den Artikel noch die Aufregung!
      Jeder Nachbar und Einwohner von Gudensberg sollte froh sein, dass hier endlich was passiert.

    • Danke für das Verständnis.Es war eine Horrornacht.Die Genehmigung wurde erteilt wegen des Risikos das jemand zu Schaden kommen könnte,komisch das die Pizzaria in der Untergasse ihren Betrieb offen hatte und auch Gäste dort waren..Sie ist direkt neben an.

    • Hallo Gudensbergfan,sehr wahrscheinlich hast Du die Nacht ruhig geschlafen.Die Anwohner in der Untergasse, Hundgasse usw.aber nicht.Es hat niemand was gegen die Erneuerung der Stadtkerns.