Schwalm-Eder. Die Kreistagsfraktion der Linken hat erneut den Besuch von Jugendoffizieren der Bundeswehr an Schulen kritisiert. „Schulen sollen ein Ort der Bildung sein. Die Bundeswehr hat in den Schulen nichts zu suchen”, so Jochen Böhme-Gingold.
Dem Kreistagsabgeordneten zufolge, handele es sich bei der Bundeswehr nicht um eine Verteidigungsarmee, sondern um „eine Armee im Einsatz“, die den Interessen der Wirtschaft diene. „Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden. Wir wollen auch nicht, dass sich die Bundeswehr als friedensschaffende Kraft anpreisen kann. Deshalb lehnen wir es ab, dass Jugendoffiziere an die Schulen im Schwalm-Eder Kreis kommen und stellen uns damit einer immer stärkeren Militarisierung der Gesellschaft entgegen“, so Böhme-Gingold.
Die Linke schließt sich damit dem Protest der Gewerkschaft GEW gegen eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium und der Bundeswehr ab, die den Besuch von Jugendoffizieren an Schulen ermöglicht.
Erst kürzlich haben Angehörige der Bundeswehr auf einer Bildungsmesse an der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule in Fritzlar einen Vortrag zum Thema “Ausbildung und Studium bei der Bundeswehr“ gehalten.


15/02/2012 um 13:15
Zum einen handelt es bei den Bundeswehrsoldaten um “Staatsbürger in Uniform” – diese sind auf unser Grundgesetz vereidigt. Weiter ist das Argument mit der Wirtschaft meiner Meinung nach absoluter Mist – jeder Handwerksbetrieb und jedes Unternehmen “dient den Interessen der Wirtschaft” (diese sind bei Informationstagen an Schulen berechtigterweise gerne gesehen). Die Bundeswehr bildet genauso aus, im militärischen Sektor wie auch im zivilen Bereich. Der Aspekt der Bildung ist damit mehr als gegeben.
Von Militarisierung kann auch keine Rede sein. Ursprünglich war unsere Armee auf eine rein defensive Rolle ausgelegt. Allerdings haben sich die globalen Situationen innerhalb der letzten 60 Jahre komplett verändert. Im Zuge der Bündnispolitik und der Sicherheit ist auch die Bundeswehr vermehrt gefragt, ihren Beitrag zu leisten. Jenseits jeder politischen Dogmatik sollte auch “die Linke” einmal über den Frieden der letzten 60 Jahre in Mitteleuropa realistisch nachdenken.