Die anhaltende Aktivität des Ätna sorgt mitten in der Hauptreisezeit für erhebliche Verkehrsprobleme auf Sizilien. Vulkanasche hat den Betrieb am Flughafen Catania-Fontanarossa wiederholt unterbrochen. Am Donnerstag, 13. August, wurden die Einschränkungen erneut verlängert. Hunderte Flüge wurden seit Beginn der jüngsten Eruptionsphase gestrichen oder umgeleitet, Tausende Reisende sind betroffen. Wie schnell sich die Lage normalisiert, hängt vor allem von der weiteren Aktivität des Vulkans, der Windrichtung und der Aschebelastung ab.
Vulkanasche legt Catanias Flughafen lahm
Catania-Fontanarossa ist das wichtigste Luftverkehrsdrehkreuz im Osten Siziliens. Fällt der Flughafen aus, geraten auch andere Airports und Verkehrsverbindungen auf der Insel unter Druck. Palermo nahm während der aktuellen Störungen zahlreiche umgeleitete Flüge auf. Zeitweise war auch der als Ausweichflughafen genutzte Airport Comiso von Vulkanasche betroffen.
Vulkanasche stellt für Flugzeuge ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Die feinen Partikel können Triebwerke, Sensoren und Cockpitscheiben beeinträchtigen. Ablagerungen auf Start- und Landebahnen können den Betrieb zusätzlich einschränken und Reinigungsarbeiten erforderlich machen. Deshalb können auch Aschewolken, die vom Boden aus wenig spektakulär erscheinen, weitreichende Folgen für den Flugverkehr haben.
Catania bleibt bis Freitagmorgen beeinträchtigt
Die Sperrzeiten wurden in den vergangenen Tagen mehrfach verlängert. Nach dem Stand vom Abend des 13. August sollen in Catania ankommende Flüge frühestens am Freitag, 14. August, um 8 Uhr wieder aufgenommen werden. Für Abflüge war zuvor eine Sperre bis 2 Uhr angekündigt worden. Da sich die Situation kurzfristig ändern kann, sollten Reisende den Status ihres Fluges unmittelbar bei ihrer Airline oder beim Flughafen prüfen.
Die wiederholten Verlängerungen sind eine Folge der dynamischen Lage. Neue Ascheemissionen oder eine veränderte Windrichtung können eine geplante Wiederaufnahme des Betriebs kurzfristig verhindern. Auch nach einer Freigabe können Flugpläne noch längere Zeit beeinträchtigt bleiben, weil Flugzeuge und Crews nicht mehr an ihren vorgesehenen Standorten sind.
Ätna seit Anfang August in intensiver Eruptionsphase
Die aktuelle Episode begann Anfang August. Vulkanologen beobachten ausgeprägte explosive Aktivität und starken Ascheausstoß. Die Aktivität konzentriert sich auf den Gipfelbereich; zugleich wurden eruptive Öffnungen an der Ostflanke des Vulkans beobachtet.
In den vergangenen Tagen erreichten Aschewolken zeitweise große Höhen. Die Auswirkungen blieben nicht auf Sizilien beschränkt: Nach Süden verfrachtete Vulkanasche führte auch im maltesischen Luftraum zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs.
Hochsaison verschärft die Verkehrsprobleme
Die Störungen treffen Sizilien unmittelbar vor Ferragosto, einem der wichtigsten Reise- und Feiertagstermine Italiens. Seit Beginn der aktuellen Eruptionsphase wurden bereits Hunderte Flüge gestrichen. Palermo und andere Flughäfen müssen zusätzliche Passagiere und umgeleitete Maschinen aufnehmen.
Die Verlagerung löst das Problem nur teilweise. Passagiere, deren eigentliches Ziel Catania, Taormina oder andere Orte im Osten Siziliens sind, müssen von Ausweichflughäfen über Land weiterreisen. Dadurch steigt die Belastung für Busse, Züge, Mietwagenanbieter und Straßenverbindungen.
Zusätzliche Züge und Busse
Die Regionalregierung hat zusätzliche Verkehrsangebote organisiert, um gestrandete und umgeleitete Reisende weiterzubefördern. Dazu gehören zusätzliche Zug- und Busverbindungen, insbesondere zwischen Palermo und Catania.
Die zusätzlichen Kapazitäten können die Folgen der Flugausfälle abmildern, aber nicht vollständig auffangen. Gerade in der Hochsaison sind reguläre Verbindungen, Hotels und Mietwagen ohnehin stark ausgelastet. Reisende müssen deshalb mit längeren Transferzeiten, Engpässen und kurzfristigen Änderungen rechnen.
Welche Rechte haben betroffene Fluggäste?
Eine Luftraumsperrung infolge von Vulkanasche gilt nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs grundsätzlich als außergewöhnlicher Umstand. Das befreit Fluggesellschaften jedoch nicht von ihren Betreuungs- und Beförderungspflichten.
Bei einer Annullierung müssen Airlines grundsätzlich die Wahl zwischen Erstattung und anderweitiger Beförderung anbieten. Wer auf eine Ersatzbeförderung wartet, kann je nach Dauer der Verzögerung Anspruch auf Verpflegung und gegebenenfalls eine Hotelunterbringung haben. Eine pauschale Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung kann dagegen entfallen, wenn die Annullierung tatsächlich auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht und die Airline alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat.
Was über die Wiederaufnahme des Betriebs entscheidet
Für einen stabilen Flugbetrieb sind vor allem drei Faktoren entscheidend: die Intensität des Ascheausstoßes, die Windrichtung und die daraus folgende Sicherheitsbewertung für Luftraum und Flughafen. Selbst bei anhaltender vulkanischer Aktivität kann sich die Situation für Catania verbessern, wenn der Wind die Asche aus den relevanten Flugsektoren trägt. Umgekehrt kann eine Änderung der Windrichtung rasch neue Einschränkungen erforderlich machen.
Auch eine Wiederöffnung bedeutet nicht sofort Normalbetrieb. Nach mehreren Tagen mit Ausfällen und Umleitungen müssen Airlines Flugzeuge, Crews und Passagierströme neu disponieren. Verspätungen und einzelne Annullierungen können deshalb noch anhalten, nachdem die unmittelbare Aschebelastung nachgelassen hat.
Fazit
Die aktuelle Ätna-Eruption trifft Sizilien zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Catania-Fontanarossa ist wegen Vulkanasche wiederholt ausgefallen, Hunderte Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet, und auch andere Flughäfen sowie Straßen- und Bahnverbindungen geraten unter Druck. Nach dem Stand vom Abend des 13. August sollen Ankünfte in Catania frühestens am Freitagmorgen wieder möglich sein. Angesichts der vulkanischen Aktivität sind weitere kurzfristige Änderungen möglich. Reisende sollten deshalb vor der Fahrt zum Flughafen den aktuellen Status ihres Fluges prüfen.
Quellen
El País (12.08.2026): https://elpais.com/internacional/2026-08-12/la-erupcion-del-etna-desata-el-caos-en-los-aeropuertos-de-sicilia-en-plena-temporada-alta.html
INGV Osservatorio Etneo – Comunicato ETNA (26.06.2026, PDF): https://www.ct.ingv.it/Dati/informative/vulcanico/ComunicatoETNA20260626110818.pdf
ENAC – Circolare su operatività aeroporti in presenza di attività eruttiva dell’Etna (PDF): https://www.enac.gov.it/app/uploads/2024/04/Circolare_GEN-04_Etna_finale.pdf
SAC / Aeroporto di Catania – Tracking voli: https://www.aeroporto.catania.it/tracking-voli