Die anhaltende Aktivität des Ätna trifft Sizilien mitten in der Hochsaison. Seit dem 6. August sorgt eine ungewöhnlich beständige Ascheemission für erhebliche Probleme im Flugverkehr. Besonders betroffen ist Catania-Fontanarossa, Siziliens verkehrsreichster Flughafen und einer der größten Flughäfen Italiens. Am 14. August wurde die Sperrung bis in die frühen Morgenstunden des 15. August verlängert. Damit erlebt Catania die schwerste durch Vulkanasche verursachte Betriebsstörung seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Warum vor allem die Vulkanasche zum Problem wird
Für den Flugverkehr ist derzeit nicht die Lava, sondern die Vulkanasche entscheidend. Feine Aschepartikel können Triebwerke beschädigen, Sensoren beeinträchtigen und die Sicht verschlechtern. Auch am Boden kann abgelagerte Asche den Flughafenbetrieb erschweren. Begegnungen mit Vulkanasche werden deshalb in der Luftfahrt möglichst vermieden.
Allerdings führt nicht jede nachweisbare Aschekonzentration automatisch zur vollständigen Sperrung des Luftraums. In Europa fließen unter anderem Messungen und Prognosen zur Aschekonzentration sowie Sicherheitsbewertungen der Betreiber in die Entscheidungen ein. Entscheidend sind Lage und Dichte der Aschewolke und die Frage, unter welchen Bedingungen ein sicherer Betrieb möglich ist.
Beim Ätna erschwert die anhaltende Emission die Planung zusätzlich. Je nach Wind kann die Asche weit vom Vulkan weggetragen werden. Am 11. August erreichte eine Aschewolke Malta, rund 220 Kilometer südlich von Sizilien. Dort wurden 19 Flüge gestrichen, weitere Verbindungen verspäteten sich.
Catania erlebt die schwerste Störung seit mehr als 20 Jahren
Catania-Fontanarossa ist der wichtigste Flughafen für den Osten Siziliens und damit für Reiseziele wie Catania, Taormina und Syrakus. Die gegenwärtige Störung geht deutlich über die bei Ätna-Aktivität üblichen kurzfristigen Einschränkungen hinaus: Am 14. August war der Flughafen bereits den fünften Tag in Folge geschlossen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP handelt es sich um die längste derartige Unterbrechung seit 2002.
Das Ausmaß zeigt sich auch an den Flugzahlen. Von 1.974 zwischen dem 6. und 12. August geplanten Flügen wurde nach Angaben von Reuters mehr als ein Drittel gestrichen; rund 630 weitere wurden umgeleitet. Tausende Passagiere sind betroffen.
Ausweichflughäfen wie Palermo, Trapani und Comiso sowie Lamezia Terme auf dem italienischen Festland übernehmen einen Teil des Verkehrs. Catania können sie jedoch nicht vollständig ersetzen. Zugleich steigt die Nachfrage nach Taxis und Mietwagen. Trenitalia hat zusätzliche Zugverbindungen eingerichtet, um gestrandete Reisende weiterzubefördern.
Ferragosto verschärft die Engpässe
Der Zeitpunkt ist für den Reiseverkehr besonders ungünstig. Ferragosto am 15. August gehört zu den wichtigsten Feiertagen Italiens und fällt in die Hauptreisezeit des Sommers. Flüge, Hotels, Mietwagen und andere Verkehrsmittel sind ohnehin stark ausgelastet. Mehrere hundert gestrichene oder umgeleitete Flüge lassen sich deshalb nur schwer kurzfristig auf andere Flughäfen und Verkehrsträger verteilen.
Die Folgen reichen weit über den Flughafen hinaus. Umgeleitete Passagiere benötigen zusätzliche Bus-, Bahn-, Taxi- oder Mietwagenverbindungen. Beschwerden über stark gestiegene Taxi- und Mietwagenpreise beschäftigen inzwischen auch Verbraucherschützer. Der italienische Verband der Reisebüros und Reiseveranstalter FIAVET fordert angesichts der Lage eine koordinierte Taskforce für künftige vulkanbedingte Verkehrsstörungen.
Ausweichflughäfen lösen das strukturelle Problem nur teilweise
Die Krise macht eine Schwachstelle der sizilianischen Verkehrsinfrastruktur sichtbar. Die Insel verfügt zwar über mehrere Flughäfen, doch ihre geografische Verteilung und unterschiedliche Kapazität erschweren einen vollständigen Ersatz Catanias. Palermo liegt auf der anderen Seite der Insel, Trapani noch weiter westlich; Comiso ist wesentlich kleiner. Lamezia Terme liegt bereits auf dem italienischen Festland.
Die ungewöhnlich lange Sperrung hat deshalb eine Debatte über die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur neu entfacht. Italiens Zivilschutzminister Nello Musumeci stellte angesichts der wiederkehrenden Beeinträchtigungen durch den Ätna langfristige Infrastrukturentscheidungen zur Diskussion.
Warum die Behörden bei Vulkanasche vorsichtig reagieren
Vulkanasche gehört zu den ernstzunehmenden Gefahren für Verkehrsflugzeuge. Historische Zwischenfälle zeigen, dass Triebwerke beim Durchflug dichter Aschewolken erheblich beschädigt werden und sogar vorübergehend ausfallen können. Asche kann außerdem Sensoren beeinträchtigen und auf Flughäfen Probleme mit Sicht, Triebwerksbetrieb und Bremswirkung verursachen.
Entscheidungen über Flugmöglichkeiten beruhen daher auf einem Zusammenspiel aus Vulkanbeobachtung, meteorologischen Prognosen, Aschemodellen, Luftraumbeschränkungen und Sicherheitsbewertungen der Luftfahrtunternehmen. Deshalb können sich Prognosen und geplante Wiedereröffnungen kurzfristig ändern.
Fazit
Die aktuelle Ätna-Episode ist für den sizilianischen Flugverkehr außergewöhnlich. Catania erlebt die längste aschebedingte Unterbrechung seit 2002. Mehr als ein Drittel der knapp 2.000 zwischen dem 6. und 12. August vorgesehenen Flüge wurde gestrichen, Hunderte weitere wurden umgeleitet. Die Asche erreichte zeitweise sogar Malta.
Ferragosto verschärft die Folgen, weil alternative Flüge und Verkehrsmittel in der Hauptreisezeit ohnehin stark ausgelastet sind. Die Krise zeigt damit nicht nur die unmittelbaren Folgen eines aktiven Vulkans, sondern auch die Grenzen des sizilianischen Verkehrsnetzes, wenn sein wichtigster Flughafen mehrere Tage ausfällt.
Quellen
https://apnews.com/article/3bf869c7cf923ef2e9a2a56719e462e3
https://elpais.com/internacional/2026-08-12/la-erupcion-del-etna-desata-el-caos-en-los-aeropuertos-de-sicilia-en-plena-temporada-alta.html