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Im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow rückt neben der angeklagten Gina H. nun auch der Vater des Kindes in den Fokus der Justiz. Am Landgericht Rostock geht es seit Ende April um die Frage, ob die 30‑Jährige den Jungen im Herbst 2025 getötet haben soll. Doch am vierten Prozesstag kam es zu einem neuen, brisanten Nebenstrang: Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Fabians Vater ein. Der Vorwurf lautet auf Falschaussage – ausgelöst durch Widersprüche in seiner Zeugenaussage.
Damit erhält ein Verfahren, das ohnehin von emotionalen Aussagen, digitalen Spuren und Streit um Indizien geprägt ist, eine zusätzliche Dimension. Der Kernprozess bleibt zwar auf die Angeklagte konzentriert, aber die Glaubwürdigkeit eines zentralen Zeugen wird plötzlich selbst zum Gegenstand strafrechtlicher Prüfung.
Der Prozess in Rostock: Mordanklage gegen Gina H.
Vor dem Landgericht Rostock muss sich Gina H. wegen Mordes verantworten. Nach Darstellung der Anklage soll sie Fabian aus einem persönlichen Motiv heraus getötet haben: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat mit der gescheiterten Beziehung zum Vater des Kindes zusammenhängt. In verschiedenen Berichten wird als mögliches Motiv beschrieben, die Angeklagte habe gehofft, durch die Tat die Beziehung wieder in Gang zu bringen oder eine Annäherung zu erzwingen.
Zum bisherigen Bild des Verfahrens gehört, dass die Beweisführung stark auf Indizien gestützt ist. Dazu zählen unter anderem digitale Spuren wie Suchanfragen der Angeklagten sowie zeitliche Abläufe, die die Staatsanwaltschaft als auffällig bewertet. Auch Beobachtungen rund um ein Fahrzeug, das in Tatortnähe gesehen worden sein soll, spielen eine Rolle. Der Prozess ist auf mehrere Verhandlungstage angelegt; im Verlauf werden zahlreiche Zeugen gehört, darunter auch Personen aus Fabians Umfeld.
„Ermittler gehen gegen Vater vor“: Was am vierten Prozesstag bekannt wurde
Am 13. Mai 2026 wurde öffentlich, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Fabians Vater eingeleitet hat. Der Vorwurf: Falschaussage. Auslöser sollen Widersprüche gewesen sein, in die sich der Mann während seiner Vernehmung verstrickt haben soll. Nach Informationen aus der aktuellen Berichterstattung bezieht sich der Vorwurf auf eine oder mehrere Angaben, die er als Zeuge im laufenden Mordprozess gemacht hat.
Wichtig ist die rechtliche Einordnung: Ein solches Ermittlungsverfahren bedeutet nicht automatisch, dass es zu einer Anklage kommt. Es ist zunächst die formale Reaktion auf einen Verdacht, der sich aus dem Prozessgeschehen ergeben kann, etwa wenn Aussagen nicht zusammenpassen, nachweislich falsch erscheinen oder im Widerspruch zu früheren Angaben stehen. In der Praxis wird dann geprüft, ob ein strafrechtlich relevanter Tatbestand erfüllt sein könnte.
Mehrere Berichte betonen zugleich, dass der Vater im Mordverfahren weiterhin als Zeuge geführt wird und nicht als Tatverdächtiger. Sollte es zu einem Verfahren wegen Falschaussage kommen, würde dieses nach der derzeitigen Darstellung nicht im Schwurgerichtsprozess „mitverhandelt“, sondern separat und zeitlich versetzt stattfinden.
Warum die Aussage des Vaters zentral ist
In Verfahren mit Indizienketten kommt der Einordnung von Beziehungen, Kommunikationsverläufen und persönlichen Dynamiken häufig besondere Bedeutung zu. Der Vater ist in diesem Fall eine Schlüsselfigur, weil sich ein Teil des von der Staatsanwaltschaft angenommenen Motivs auf die frühere Beziehung zwischen ihm und der Angeklagten stützt. Auch Chats, Sprachnachrichten und die Frage, wie eng der Kontakt nach der Trennung war, sind für die Rekonstruktion der Ereignisse und für die Bewertung von Indizien relevant.
Hinzu kommt: Der Vater kann Aussagen dazu machen, wie sich Fabian im Umfeld der Angeklagten fühlte, welche Konflikte es gab und wie die Tage rund um das Verschwinden abliefen. Solche Angaben können einerseits die Motivthese stützen, andererseits – je nach Inhalt und Glaubwürdigkeit – Zweifel nähren. Genau deshalb ist die Verlässlichkeit des Zeugen für beide Seiten bedeutend.
Widersprüche, Erinnerungslücken, Deutungskämpfe
Dass Zeugen in emotional belastenden Verfahren widersprüchlich aussagen, ist nicht ungewöhnlich. Erinnerungen können bruchstückhaft sein, Abläufe werden im Nachhinein neu interpretiert, und Aussagen verändern sich, wenn neue Informationen bekannt werden oder wenn sich Beziehungen zwischen Beteiligten verschieben. Im Gerichtssaal treffen zudem unterschiedliche Deutungen aufeinander: Staatsanwaltschaft und Nebenklage versuchen, Indizien in eine stimmige Erzählung zu fügen, während die Verteidigung Lücken, alternative Erklärungen und Zweifel betont.
Ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage setzt allerdings mehr voraus als bloße Unsicherheit. Strafrechtlich relevant wird es dann, wenn der Verdacht besteht, dass vor Gericht bewusst falsch ausgesagt wurde. Ob dieser Verdacht im Fall von Fabians Vater tragfähig ist, wird nun außerhalb des laufenden Mordprozesses geprüft werden müssen.
Die zusätzliche Sprengkraft: Aussagen rund um Trauer, Beerdigung und Distanz
In der öffentlichen Wahrnehmung sorgt der Nebenstrang auch deshalb für besondere Aufmerksamkeit, weil in der Berichterstattung Aspekte mitschwingen, die über juristische Fragen hinausgehen: Wie verhielt sich der Vater nach dem Tod des Kindes, welche Informationen lagen wann vor, und wie ist sein Verhältnis zur Angeklagten einzuordnen? Google Trends greift dabei Formulierungen auf, die auf eine äußerst zugespitzte Deutung hinauslaufen, etwa die Behauptung, der Vater habe „am Tag der Beerdigung“ bestimmte Dinge nicht gewusst.
Solche Zuspitzungen sind in der Regel Momentaufnahmen aus Prozessberichten, die einzelne Aussagen oder Konfliktlinien verdichten. Im Gerichtssaal werden diese Punkte typischerweise im Detail aufgearbeitet: Wer hat wann welche Nachricht erhalten, was wurde wem gesagt, wie wurden Entscheidungen begründet, und passen diese Angaben zu dokumentierten Abläufen? Gerade wenn es um zeitliche Details und um die Frage geht, was „gewusst“ oder „nicht gewusst“ wurde, entscheidet oft die Präzision der Beweisaufnahme darüber, ob aus Unklarheit ein Verdacht wird – oder ob sich ein Widerspruch auflöst.
Was der neue Nebenstrang für den Hauptprozess bedeutet
Der Mordprozess gegen Gina H. läuft unabhängig davon weiter. Dennoch kann ein Ermittlungsverfahren gegen einen zentralen Zeugen Auswirkungen auf die Dynamik im Gerichtssaal haben. Zum einen wird die Kammer Aussagen des Vaters noch kritischer auf Konsistenz prüfen. Zum anderen kann die Verteidigung versuchen, aus dem Vorgang Argumente gegen die Belastbarkeit bestimmter Indizien oder gegen die Motivkonstruktion abzuleiten. Umgekehrt kann die Staatsanwaltschaft betonen, dass das Verfahren wegen Falschaussage gerade der Wahrheitsfindung dient und die Beweisaufnahme nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Für die Öffentlichkeit ist vor allem eines heikel: Zwei Verfahren mit unterschiedlichen Gegenständen können leicht vermischt werden. Während der Mordprozess die Frage nach Täterschaft und Schuld der Angeklagten klärt, ginge es bei einer Falschaussage um das Verhalten eines Zeugen im Gerichtssaal. Beides ist rechtlich strikt zu trennen, auch wenn es inhaltlich miteinander verknüpft bleibt.
Quellen
https://www.fr.de/panorama/prozess-im-mordfall-fabian-verfahren-gegen-vater-wegen-falschaussage-eingeleitet-94305084.html
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101229830/mordfall-fabian-aus-guestrow-zweiter-prozesstag-in-rostock-live-ticker.html
https://www.mv-justiz.de/serviceassistent/_php/download.php?datei_id=1688019