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Die Preise an den deutschen Tankstellen haben in den vergangenen Tagen spürbar angezogen. Super E10 und Diesel erreichen Niveaus, die zuletzt im Frühjahr 2024 üblich waren. Auslöser ist eine neue geopolitische Zuspitzung im Nahen Osten, die den Ölmarkt nervös macht und den Rohölpreis nach oben treibt. Zwar fällt der Preissprung an der Zapfsäule bislang weniger drastisch aus als die Bewegungen am Weltmarkt, doch die Richtung ist eindeutig: Die Phase relativ ruhiger Kraftstoffpreise ist vorerst vorbei.
Spritpreise auf Zweijahreshoch: Was aktuell an den Zapfsäulen passiert
Am Wochenende wurden bundesweit wieder Werte gemessen, die als „höchste Stände seit fast zwei Jahren“ eingeordnet werden. Nach Auswertungen auf Basis von ADAC-Daten lag der bundesweite Tagesdurchschnitt am Sonntag bei 1,794 Euro pro Liter Super E10 und 1,759 Euro pro Liter Diesel. Damit war Super E10 zuletzt Ende Mai 2024 teurer, Diesel zuletzt Anfang April 2024. Gegenüber dem Freitag vor den jüngsten Ereignissen stiegen die Durchschnittspreise um 1,6 Cent (E10) beziehungsweise 1,3 Cent (Diesel).
Diese Zahlen sind ein Signal in zwei Richtungen: Einerseits zeigt sich, wie schnell internationale Risiken in den Alltag durchschlagen können. Andererseits deutet die bislang moderate Steigerung darauf hin, dass der Preisdruck zwar angekommen ist, aber noch nicht vollständig weitergereicht wurde. Genau diese Verzögerung ist typisch, wenn Raffinerien, Großhandel, Lagerbestände und der Wettbewerb zwischen Tankstellen zeitversetzt reagieren.
Warum der Nahost-Konflikt die Preise treibt
Der wichtigste kurzfristige Preistreiber für Benzin und Diesel bleibt der Rohölpreis, meist im Zusammenspiel mit dem Dollar-Kurs. In den vergangenen Tagen hat vor allem die Sorge um Transportwege und Lieferketten die Märkte bewegt. Im Zentrum steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Ölhandels. Schon eine Einschränkung des Schiffsverkehrs dort kann die Risikoaufschläge am Ölmarkt erhöhen, weil ein relevanter Anteil der globalen Öltransporte diese Route passiert.
Parallel dazu verstärken Schlagzeilen über Angriffe, Drohnenvorfälle und eine insgesamt erhöhte Unsicherheit die Erwartung, dass sich die Versorgungslage kurzfristig verschlechtern könnte. Solche Erwartungen wirken an den Märkten oft wie ein Beschleuniger: Händler preisen Risiken ein, noch bevor es zu realen Engpässen kommt. Internationale Berichte über deutlich steigende Öl- und Gaspreise sowie stark schwankende Notierungen unterstreichen, dass es sich nicht um ein rein deutsches Phänomen handelt, sondern um eine globale Reaktion auf die Eskalation.
Warum der Sprit (noch) weniger stark steigt als Rohöl
Auffällig ist, dass die Bewegung an deutschen Zapfsäulen bislang kleiner ausfällt als die Sprünge bei Rohöl. Dafür gibt es mehrere plausible Gründe, die auch in aktuellen Einordnungen anklingen. Zum einen waren Kraftstoffpreise nach Einschätzung von Marktbeobachtern bereits vor dem Wochenende relativ hoch im Verhältnis zu Ölpreis und Wechselkurs. In so einer Ausgangslage ist der Spielraum für sofortige, harte Aufschläge geringer, weil Tankstellenketten im Wettbewerb stehen und nicht jede Kostenänderung unmittelbar durchreichen.
Zum anderen wirken Lagerbestände und Lieferverträge dämpfend. Raffinerien und Großhändler haben typischerweise Bestände, die zu früheren Konditionen beschafft wurden. Erst wenn diese Mengen abfließen und teurer nachgekauft werden müssen, steigt der Kostendruck in der Kette. Hinzu kommt, dass die Preise im Tagesverlauf stark schwanken können. Einzelne Momentaufnahmen sind deshalb weniger aussagekräftig als Tagesdurchschnitte über mehrere Tage.
Opec+ und die Frage, ob der Preisschub weitergeht
Ein weiterer Faktor ist die Förderpolitik großer Produzenten. Der Ölverbund Opec+ hat zuletzt angekündigt, die Tagesproduktion zu erhöhen. Solche Signale können den Preisanstieg bremsen, weil sie dem Markt zusätzliche Angebotsmengen in Aussicht stellen. Allerdings hängt die tatsächliche Wirkung davon ab, ob die Erhöhungen zeitnah und in relevantem Umfang am Markt ankommen und ob geopolitische Risiken parallel weiter zunehmen.
Entscheidend bleibt: Wenn die Unsicherheit rund um Transportwege und Infrastruktur anhält oder sich verschärft, kann sich der Risikoaufschlag im Ölpreis verfestigen. Dann wäre es wahrscheinlich, dass auch Benzin und Diesel in Deutschland in den kommenden Tagen und Wochen stärker nachziehen. Erste Stimmen warnen bereits, dass weitere Anstiege nicht ausgeschlossen sind.
Regionale Ausschläge: Warum manche Städte schneller teurer wirken
Neben bundesweiten Durchschnittswerten gibt es häufig regionale Ausreißer. Lokale Auswertungen zeigen, dass einzelne Städte kurzfristig deutlich höhere Mittelwerte erreichen können als der Bundesschnitt. Das liegt unter anderem an regionaler Wettbewerbsintensität, Pendlerströmen, Autobahnlagen und der Dichte an Tankstellen. In der Praxis kann sich ein bundesweit moderater Anstieg in bestimmten Regionen wie ein Preissprung anfühlen, weil dort das Ausgangsniveau höher ist oder weil einzelne Stationen sehr schnell reagieren.
Ausblick: Was jetzt die Richtung vorgibt
Für die kurzfristige Entwicklung sind drei Variablen besonders relevant. Erstens der Rohölpreis: Bleibt er hoch oder steigt weiter, wird die nächste Welle an Preisanpassungen wahrscheinlicher. Zweitens der Dollar-Kurs: Ein stärkerer Dollar verteuert Ölimporte zusätzlich. Drittens die Lage an den Transportkorridoren im Nahen Osten: Jede Meldung, die auf anhaltende Störungen hindeutet, kann die Nervosität verlängern.
Dass die aktuellen Werte bereits als Zweijahreshoch gelten, ist dabei vor allem ein psychologischer Marker. Er signalisiert, dass sich der Markt in eine Phase erhöhter Sensibilität bewegt. Ob daraus eine dauerhafte Hochpreisphase wird, hängt weniger von einzelnen Tankstellenpreisen ab als von der Frage, ob die geopolitische Eskalation abklingt oder sich verfestigt.
Fazit
Deutschland erlebt bei Benzin und Diesel wieder Preisniveaus, die zuletzt im Frühjahr 2024 erreicht wurden. Der unmittelbare Treiber ist die Eskalation im Nahen Osten, die den Ölmarkt verunsichert und Risikoaufschläge nach oben zieht. Bislang ist der Anstieg an der Zapfsäule moderat geblieben, doch die Richtung ist klar. Sollte die Unsicherheit rund um Lieferwege und Infrastruktur anhalten, ist es plausibel, dass sich der Kostendruck in den kommenden Tagen stärker in den Endkundenpreisen widerspiegelt.
Quellen
https://koeln.t-online.de/region/koeln/id_101149812/tanken-in-koeln-preise-fuer-super-und-diesel-explodieren-wegen-iran-krieg.html
https://apnews.com/article/8a6d6fb35c89d9b0db4c4846f290c2c3
https://www.theguardian.com/business/live/2026/mar/02/oil-price-us-israel-iran-war-100-dollars-a-barrel-stock-markets-drop-travel-news-updates