Im Greifswalder Bodden ist am Donnerstag, 13. August 2026, ein toter Buckelwal entdeckt worden. Das etwa sieben Meter lange Tier trieb vor der Südspitze Rügens nahe einer Bundeswasserstraße. Um 8:16 Uhr ging die Meldung bei der Wasserschutzpolizei ein. Eine Mitarbeiterin des Deutschen Meeresmuseums Stralsund bestätigte später vor Ort den Tod und die Art des Wals.
Der Fund ist ungewöhnlich: Buckelwale gehören nicht zur typischen Meeressäugerfauna der Ostsee. Einzelne Tiere gelangen jedoch immer wieder aus der Nordsee in das Randmeer. Ob der jetzt gefundene Wal mit einem Tier identisch ist, das in den vergangenen Wochen an mehreren Stellen der deutschen und polnischen Ostseeküste beobachtet wurde, ist bislang nicht geklärt.
Toter Buckelwal vor Rügen: Fundort und Bergung
Der Kadaver wurde im Greifswalder Bodden vor der Südspitze Rügens entdeckt und trieb nahe einer Fahrrinne auf dem Rücken. Wasserschutzpolizei und Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee sicherten den Bereich, um Gefahren für den Schiffsverkehr zu vermeiden. Anschließend begann ein Behördenschiff, den Wal mit Gurten in Richtung Stralsund zu schleppen.
Ziel ist der Dänholm vor Stralsund. Dort befindet sich mit dem Nautineum eine Außenstelle des Deutschen Meeresmuseums. Nach aktuellem Stand soll der Buckelwal am Freitag wissenschaftlich untersucht und seziert werden. Die Fachleute erhoffen sich davon Hinweise auf seinen Gesundheitszustand und die Todesursache.
Der Greifswalder Bodden ist ein ungewöhnlicher Lebensraum für Großwale
Der Greifswalder Bodden ist ein flaches Randgewässer der südlichen Ostsee. Er umfasst rund 514 Quadratkilometer und ist im Mittel nur etwa 5,6 Meter tief; die maximale Tiefe liegt bei rund 13,5 Metern. Über den Strelasund und die Öffnungen östlich von Rügen besteht eine Verbindung zur übrigen Ostsee.
Für einen Buckelwal ist ein solches Gewässer kein gewöhnlicher Lebensraum. Die Tiere leben und wandern vor allem in ozeanischen und küstennahen Meeresgebieten. Dass einzelne Buckelwale dennoch in die Ostsee gelangen, ist seit Langem dokumentiert. Warum ein bestimmtes Tier diesen Weg nimmt, lässt sich ohne weitere Erkenntnisse nicht sicher beantworten.
Die Annahme, der Wal könne sich wegen der geringen Wassertiefe im Bodden festgesetzt oder die Orientierung verloren haben, ist für den aktuellen Fall nicht belegt. Das Tier wurde bereits tot und treibend entdeckt. Wo es starb und wie weit der Kadaver zuvor verdriftete, ist derzeit offen.
War der Buckelwal zuvor vor Deutschland und Polen unterwegs?
In den vergangenen Wochen gab es mehrere Walsichtungen an der deutschen und polnischen Ostseeküste. Ein Wal wurde unter anderem vor Kiel, im Hafenbecken von Wismar, vor Wustrow und später nahe dem polnischen Ostseebad Międzyzdroje beobachtet.
Ob der tote Buckelwal aus dem Greifswalder Bodden dasselbe Tier ist, konnte bislang nicht bestätigt werden. Aus zeitlich und räumlich aufeinanderfolgenden Sichtungen lässt sich ohne individuelle Identifizierung nicht zuverlässig schließen, dass stets derselbe Wal beobachtet wurde.
Welche Todesursache kommt infrage?
Zur Todesursache gibt es bislang keine belastbaren Angaben. Krankheiten, Unterernährung, Parasiten, eine Schiffskollision oder eine Verwicklung in Fischereigerät kommen bei Großwalen grundsätzlich als mögliche Ursachen infrage. Für den jetzt gefundenen Buckelwal ist bislang jedoch keine davon nachgewiesen.
Die geplante Sektion kann Hinweise liefern. Untersucht werden können unter anderem Ernährungszustand, Organe und Gewebe sowie äußere und innere Verletzungen. Gewebeproben ermöglichen anschließend weiterführende Laboruntersuchungen. Auch Spuren einer Kollision oder eines Kontakts mit Fischereigerät können gegebenenfalls erkannt werden.
Zweiter toter Buckelwal innerhalb weniger Monate
Der aktuelle Fund erinnert an den Buckelwal, der im Frühjahr 2026 vor der Insel Poel in der Wismarbucht mehrfach in flaches Wasser geraten war. Das als „Timmy“ bekannt gewordene Tier wurde schließlich in einer aufwendigen Aktion in die Nordsee gebracht. Wenige Tage später wurde es tot an der dänischen Insel Anholt gefunden.
Auch die Obduktion von „Timmy“ ergab zunächst keine eindeutige Todesursache. Eine klar tödliche Verletzung wurde bei der ersten Untersuchung nicht festgestellt. Weitere Proben wurden für Laboranalysen genommen.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus bezeichnete den aktuellen Fund als den zweiten Tod eines Buckelwals in der Ostsee innerhalb eines Jahres. Er verwies zugleich auf die Erholung der Buckelwalbestände im Atlantik. Eine größere Population könnte dazu beitragen, dass häufiger einzelne Tiere in die Ostsee gelangen. Ob dies die jüngsten Beobachtungen tatsächlich erklärt, ist jedoch nicht belegt.
Großwale in der Ostsee sind selten, aber kein neues Phänomen
Großwale in den Gewässern um Rügen sind historisch mehrfach dokumentiert. Bereits 1825 wurde beispielsweise ein junger Finnwal an der Westküste Rügens gefunden. Sein Skelett gehört heute zur Sammlung des Meeresmuseums Stralsund. Auch aus späteren Zeiten sind einzelne Sichtungen und Strandungen großer Wale an der vorpommerschen Küste bekannt.
Der aktuelle Fund ist deshalb außergewöhnlich, aber kein historisch einmaliges Ereignis. Buckelwale sind keine regulären Bewohner der Ostsee, können jedoch durch die dänischen Meerengen aus der Nordsee in die westliche und anschließend auch in die südliche Ostsee gelangen.
Ökologische Bedeutung des Greifswalder Boddens
Der Greifswalder Bodden ist ökologisch besonders wertvoll. Zusammen mit dem südlichen Strelasund gehört er zu einem großen europäischen Vogelschutzgebiet mit bedeutenden Brut-, Rast- und Überwinterungsplätzen.
Geografisch sollte der Fund allerdings nicht pauschal der „Vorpommerschen Boddenlandschaft“ zugerechnet werden, wenn damit der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gemeint ist. Dieser liegt überwiegend westlich und nördlich von Rügen. Der Greifswalder Bodden befindet sich südöstlich der Insel und gehört nicht zum Nationalpark.
Auch der Begriff „Whale Fall“ ist für den aktuellen Fall nur eingeschränkt passend. In der Meeresbiologie bezeichnet er vor allem einen auf den Meeresboden abgesunkenen Walkadaver, der dort über längere Zeit eine spezialisierte Lebensgemeinschaft ernährt. Der Buckelwal im Greifswalder Bodden wird dagegen geborgen und soll wissenschaftlich untersucht werden.
Fazit
Gesichert ist: Bei dem am 13. August 2026 im Greifswalder Bodden vor Rügen gefundenen Tier handelt es sich um einen etwa sieben Meter langen Buckelwal. Der Kadaver soll zum Nautineum auf dem Dänholm bei Stralsund gebracht und dort untersucht werden. Die Todesursache ist noch offen.
Ungeklärt ist auch, ob es sich um denselben Wal handelt, der zuvor an verschiedenen Stellen der deutschen und polnischen Ostseeküste beobachtet wurde. Aussagen über Orientierungsprobleme, Unterernährung, Krankheiten, Fischereigerät oder eine Schiffskollision wären derzeit Spekulation. Für eine belastbare Einordnung sind die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung entscheidend.
Quellen
https://www.ndr.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Wale_in_der_Ostsee
https://de.wikipedia.org/wiki/Greifswalder_Bodden
https://de.wikipedia.org/wiki/Buckelwal